Wenn der Sommer nur noch vorbeirauscht.

Endlich ist er da – der Sommer. 

Die Tage sind länger, die Sonne scheint und plötzlich scheint alles gleichzeitig stattfinden zu müssen.

Da ist der Grillabend am Wochenende, für den noch eingekauft und der Nudelsalat vorbereitet werden will. Der Kindergeburtstag, für den noch ein Geschenk besorgt und ein Kuchen gebacken werden muss. Der Haushalt wartet, die Wäsche möchte abgehängt werden und eigentlich wollten wir die Sonne auch noch nutzen, um eine Runde joggen zu gehen – schließlich wollen wir fit bleiben. Dann der Ausflug an den See. Opa feiert seinen 80. Geburtstag. Beim Umzug wollten wir auch noch helfen. Ein Open Air jagt das nächste. Und ach ja… shoppen wollten wir auch schon lange mal wieder.

Und nächstes Wochenende geht’s aufs Festival. Endlich einfach mal abschalten und den Alltag hinter sich lassen. Also noch schnell überlegen, was eingepackt werden muss, damit am Ende weder der Schlafsack vergessen wird noch drei Tage lang nur Dosenravioli auf dem Speiseplan stehen.

Vielleicht möchten wir aus jedem sonnigen Tag das Beste herausholen. Schließlich ist der Sommer so kurz. Und genau deshalb füllt sich unser Kalender oft schneller, als uns lieb ist.  Manchmal sind wir so damit beschäftigt, schöne Momente zu organisieren, dass wir vergessen, sie wirklich zu erleben.

Dabei wünschen wir uns vielleicht doch etwas ganz anderes?

Vielleicht mehr Leichtigkeit?

Oder Ruhe?

Das Gefühl, einfach da zu sein.

Was wäre, wenn wir unserem Kalender wieder ein paar weiße Seiten schenken würden?

Nicht, weil wir nichts zu tun haben.

Sondern weil genau dort das Leben Platz findet.

Für den spontanen Sprung in den See.

Für den Moment, in dem die Kinder eine Schnecke entdecken und wir nicht sagen müssen: „Jetzt aber schnell weiter, wir müssen los.“

Für das Barfußlaufen über eine warme Wiese, während wir den Wolken hinterherschauen und plötzlich gar nicht mehr wissen, wie spät es eigentlich ist.

Den Bienen und Hummeln von Blüte zu Blüte folgen. Die Blätter beobachten, wie sie sich im Wind bewegen. Oder einfach einer Ameisenstraße im Wald zusehen.

Für ein langes Essen mit einer Freundin, bei dem aus einer Stunde plötzlich drei werden, weil das Gespräch gerade zu schön ist.

Oder weil wir uns spontan entscheiden, noch in eine kleine Theatervorstellung zu gehen – etwas, das wir beide noch nie gemacht haben. Ganz ungeplant. Und genau deshalb wird es zu einer Erinnerung, über die wir noch Monate später lachen.

Für ein Eis, das wir nicht zwischen zwei Terminen essen, sondern einfach, weil uns gerade danach ist.

Die schönsten Erinnerungen entstehen oft nicht, weil wir möglichst viel erlebt haben. Sie entstehen in den Momenten, die wir nicht bis ins Detail geplant haben.

In den Momenten, in denen wir wirklich da waren.

Vielleicht braucht dieser Sommer gar nicht mehr Erlebnisse?

Vielleicht braucht er mehr Raum.

Raum zum Durchatmen.

Raum für Pausen.

Raum für Spontanität.

Raum, um sich morgens wieder zu fragen: „Worauf haben wir heute eigentlich Lust?“

…statt nur:

„Was steht heute alles an?“

Vielleicht hören wir erst dann wieder, was wir wirklich brauchen, wenn es für einen Moment still genug wird.

Und vielleicht sind genau das die Momente, an die wir uns am Ende des Sommers erinnern.